Wer alles im Leben locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger. Das jedenfalls besagt ein italienisches Sprichwort, aus dem sich auch der Name der in Köln gegründeten Restaurantkette Vapiano ableitet. Beim Unternehmen selbst allerdings ist derzeit weder Lockerheit noch Gelassenheit zu erkennen. Denn Vapiano ist zuletzt in heftige Turbulenzen geraten.
Aktuell verhandelt der Vorstand unter Beteiligung von Großaktionären mit Banken um die Refinanzierung von Krediten in Höhe von 30 Millionen Euro. Der Jahresabschluss von Vapiano musste deswegen nun verschoben werden – und das nicht zum ersten Mal. Zahlen sollen nun am 24. Mai vorgelegt werden und damit drei Wochen später als zuletzt geplant.
Für Michael Lidl, den Geschäftsführenden Partner der auf die Gastronomie spezialisierten Beratungsgesellschaft Treugast Solutions Group, ist das ein weiteres Alarmsignal: „Ob sich Vapiano aus der aktuellen Lage befreien kann, hängt davon ab, ob die Liquidität dauerhaft sichergestellt ist. Und dafür sind diese 30 Millionen so wichtig. Kommt dieses Geld nicht, steht in meinen Augen auch eine Liquiditätskrise im Raum“, sagt er WELT. „Die langen Verhandlungen und ständigen Verschiebungen bei der Anschlussfinanzierung zeigen ja, dass es ein ernsthaftes Problem gibt.“
Vapiano selbst gibt sich bedeckt. „Wir sind in Verhandlungen“, beschreibt eine Sprecherin. „Sobald es etwas zu sagen gibt, werden wir das Ergebnis veröffentlichen.“ Bis dahin ruht die Kommunikation der Restaurantkette. Der Druck ist dabei groß. Das zeigt nicht zuletzt der Aktienkurs. Knapp sechs Euro kosten die Vapiano-Papiere derzeit, Anfang 2018 waren es noch über 25 Euro. Dazwischen liegen Gewinnwarnungen, ein Chefwechsel und auch ein zurückgetretener Aufsichtsratsvorsitzender.
Denn Vapiano hält schon länger nicht mehr Schritt mit der anhaltend guten Entwicklung in der deutschen Systemgastronomie. „Die Zahl der Bestandskunden stagniert. Vapiano verliert mit den Bestandsbetrieben somit Marktanteile“, sagt Treugast-Experte Lidl. Aber das sei nicht mal das größte Problem. „Das Unternehmen hat viel Geld in Wachstum und Innovationen gesteckt – ohne dass es sich bislang rentiert.“
Vapiano-Mitarbeiter packen aus
Vergorene Spaghetti, Verdorbenes Gemüse, schlechtes Fleisch: Aktive und ehemalige Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen die erfolgreiche deutsche Restaurant-Kette.
Quelle: Die Welt
Viele Kunden sind genervt vom Konzept
Lidl zufolge wurden bei der Expansion zu schnell zu viele Filialen aufgebaut, noch dazu mit Kompromissen bei der Standortwahl. „Das rächt sich nun in Form von schlechten Performance-Zahlen.“ Gemeldet hat Vapiano zuletzt 231 Restaurants in 33 Ländern. Der neue Vorstandschef Cornelius Everke erwägt nun schon wieder Schließungen einzelner Niederlassungen.
Doch es sind nicht nur die Standorte allein. „Das Problem von Vapiano ist ganz grundsätzlich das Geschäftsmodell“, analysiert Klaus-Dieter Koch, der Geschäftsführende Gesellschafter der Markenberatung BrandTrust. „Das war mal frisch und neu und überragend, hat sich mittlerweile aber überholt. Denn die Ernährungsgewohnheiten haben sich radikal verändert, Vapiano aber ist stehen geblieben und hat sich nicht mitentwickelt.“
Die Speisekarte sei dominiert von Pizza und Pasta, das passe nicht mehr zur Diskussion über Kohlenhydrate. Und auch Schlange stehen wolle heute kein Gast mehr. Genau damit aber ist Vapiano groß geworden: Die Gäste bestellen quasi in der Küche und schauen dem Koch dann zu, wie er das Essen frisch zubereitet. Für etliche Kunden scheint dieses Konzept aber nur noch nervig, zumal es vielfach sehr lange dauert, wie Gäste berichten.
Für Abhilfe sollen Bestellterminals und auch eine App sorgen. „Das wird aber nicht in dem Maße angenommen, dass dadurch das Personal entlastet wird“, sagt Treugast-Vertreter Lidl. Für ihn hat Vapiano zu viele Baustellen gleichzeitig aufgemacht und dabei das Tagesgeschäft vernachlässigt. „Wichtig ist für ein Gastronomieunternehmen, dass der Gast ein Restaurant zufrieden wieder verlässt. Das aber passiert oftmals nicht mehr. Vapiano hat bei allen Zukunftsvisionen vergessen, dass auch der Kunde im Hier und Jetzt bedient werden muss.“
https://www.welt.de/wirtschaft/article192863579/Trends-verschlafen-Restaurant-Kette-Vapiano-kaempft-um-ihre-Zukunft.html
2019-05-03 10:20:00Z
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